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Vom ersten Krügerrand bis heute: Das aktuelle Spektrum der Gold-Anlagemünzen

Dietmar Kreutzer

Bevor des den Krügerrand gab, waren goldene Kursmünzen zugleich Anlagemünzen. Zu ihnen gehören die 20-Mark-Stücke aus dem deutschen Kaiserreich, die 20-Kronen-Stücke aus Österreich-Ungarn und die britischen Goldpfunde mit den Porträts von Königin Viktoria und ihren beiden Nachfolgern Eduard VII. und Georg V. Massenhaft geprägt und zugleich außerordentlich beliebt ist bis heute das Vreneli zu 20 Franken aus der Schweiz. Auch Nachprägungen der historischen Münzen wurden mit wechselnden Aufschlägen auf den Goldpreis angeboten. Die größten dieser Stücke, die nach dem Zweiten Weltkrieg extra zu Anlagezwecken geprägt wurden, waren ein 100-Soles-Stück aus Peru, der mexikanische Centenario zu 50 Pesos und die prachtvolle österreichische Münze zu 100 Kronen mit dem Porträt von Franz Joseph I. Doch dann kam der Krügerrand! Die Münze mit dem Feingewicht einer Unze hatte keinen aufgeprägten Nennwert. Sie war als Bullionmünze geplant, als Barren in Münzform. Ein Standardbarren aus Gold zu 400 Unzen, also 12,44 Kilogramm, war für den Normalbürger unerschwinglich. Einen kleinen Rundbarren von einer Unze Gold konnte er aber durchaus erwerben!


Südafrikanisches Pfund mit dem Porträt von Paul Kruger (1898)

Bildquelle: Degussa Goldhandel


Bis zum Jahr 1967 war der Goldpreis infolge des Abkommens von Bretton Woods faktisch auf 35 Dollar pro Unze eingefroren. Mit der Freigabe konnte er nach Angebot und Nachfrage ausgehandelt werden. Am 3. Juli 1967 prägte Dr. Nico Diedricks den erste Krügerrand in der South African Mint (Pretoria) an. Die Münze war mit dem Porträt des Burenpräsidenten Paul Kruger verziert, das auf den alten Pfundmünzen aus Südafrika verwendet wurde. Die Rückseite zeigt einen Springbock, das Wappentier, das nach dem Zweiten Weltkrieg die südafrikanischen Goldmünzen zu einem und zwei Rand zierte. Die Startauflage des Krügerrand betrug 40.000 Stück in Standardausführung und 10.000 in polierter Platte. Im Jahr 1967 lag der Goldpreis durchschnittlich bei 35,10 Dollar pro Unze. Einen Handelsaufschlag von fünf Prozent und den damaligen Dollarkurs in Rechnung gestellt, kostete ein Krügerrand damals umgerechnet 74 Euro. Der Vertrieb in Deutschland wurde maßgeblich von Fritz Plass von der Deutschen Bank initiiert: "Fritz Plass, der sich lieber im Hintergrund hielt, und seine Deutsche Bank konnten sich den Verdienst zuschreiben, den Krügerrand hierzulande populär gemacht zu haben. Die nach dem Burenpräsidenten benannte Münze wurde zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Wer Krügerrand sagte, meinte Goldinvestment." (1) Die Stücke aus dem ersten Prägejahr werden heute gesammelt und sind daher nur selten und zudem mit einem deutlichen Aufschlag auf den Goldpreis zu haben. Mit der internationalen Liberalisierung des Goldhandels stieg die Nachfrage nach dem Krügerrand sprunghaft an. Im Rekordjahr 1978 wurden über sechs Millionen Stück geprägt. Ab 1980 gab es auch Teilstücke der Münze. Der internationale Boykott des Apartheid-Regimes ließ den Absatz jedoch einbrechen. Erst nach der Aufhebung des Boykotts im Jahr 1999 stiegen die Stückzahlen wieder an.


Krügerrand (Südafrika, 1967, 917er Gold, 33,9 Gramm, 33 mm)

Bildquelle: Goldkontor Hamburg


Die kanadische Maple Leaf war 1979 die zweite moderne Anlagemünze im Unzen-Gewicht aus Gold. Anders als der Krügerrand, der traditionell aus 917er Gold geprägt wird, besteht der Maple Leaf aus Feingold. Seit 1983 beträgt die Feinheit beachtliche 999,9 Promille. Mit diesem Qualitätsmerkmal und dem Rückenwind aus dem Boykott südafrikanischer Waren konnten sich die Kandier gleich zu Beginn einen Marktvorteil sichern. Die Wappenseite zeigt das Arhornblatt als nationales Symbol, die Wertseite das kanadische Staatsoberhaupt. Die Startauflage lag bei einer Million Stück. In den folgenden Jahren pendelte die Auflage um diesen Wert. Seit 1982 werden Stückelungen unterhalb einer Unze angeboten, seit 1988 auch Varianten aus Silber. Später kamen Ausgaben aus Platin und Palladium hinzu. Bis heute wurden mehr als 25 Millionen Unzen des Maple Leaf aus Gold verkauft.


50 Dollars (Kanada, 1979, 999er Gold, 31,1 Gramm, 30 mm)

Bildquelle: Münzenhandel Hendrik Eichler


Als dritte Anlagemünze folgte 1981 die mexikanische Libertad, die gleich zu Anfang zusammen mit Halb- und Viertelstücken erschien. Ein Jahr später kam eine Variante in Silber hinzu. Die Ähnlichkeit zum Vorgänger Centenario war schon anhand der abgebildeten Victoria und des umseitigen Wappens unverkennbar. Sie bestand auch wie der Vorgänger aus 900er Gold. Im Jahr 1991 ist die Feinheit auf 999er Gold erhöht worden, außerdem kamen Münzen in weiteren Stückelungen hinzu. Die seit 1996 geprägte Fassung wartet mit einer wesentlich dynamischer gestalteten Victoria und einem Wappen auf, das von zehn historischen Wappenmotiven umgeben ist. Die Auflagen der Silbermünzen snd hoch, jene aus Gold mit wenigen tausend Stück pro Jahr dagegen überschaubar.



2000 Schilling (Wiener Philharmoniker, Österreich, 1999, 999er Gold, 31,1 Gramm, 37 mm)

Bildquelle: Numista, Heritage Auctions


Im Verlauf der achtziger Jahre gesellten sich zu den "Klassikern" der ersten Jahre zahlreiche neue Anlagemünzen hinzu: Panda (China, 1982), Nugget (Australien, 1986, seit 1990 als Känguru bekannt), American Gold Eagle (USA, 1986) und Britannia (Großbritannien, 1986). Zu einem Überraschungserfolg wurde 1989 die Einführung der Wiener Philharmoniker: "Im November 1988 machte eine österreichische Gesetzesnovelle die Ausgabe von Münzen aus reinem Gold zum Tageskurs möglich. Die Münze Österreich plante sofort, eine Anlagemünze auszugeben, die für den internationalen Markt konzipiert, österreichische Lebensart in alle Welt transportieren sollte." (2) Die Wiener Philharmoniker ließen sich nach anfänglicher Skepsis vom Vorhaben begeistern. So konnte Thomas Pesendorfer, der Chefgraveur der Münze Österreich, einen Entwurf mit symbolhaft ausgewählten Instrumenten des Orchesters und der Orgel im goldenen Saal des Wiener Musikvereins umsetzen. Die Münze wurde zum Verkaufsschlager. Schon nach drei Monaten waren 620.000 ganze bzw. Viertelunzen verkauft. Im Jahr 1990 wurden die Philharmoniker zur meist verkauften Anlagemünze in Europa, zwei Jahre später gar zur meistverkauften weltweit. Auflagen von einigen hunderttausend Stück pro Jahr sind üblich.



1 Unze (Libertad, Mexiko, 2023, 999er Gold, 31,1 Gramm, 34 mm)

Bildquelle: Silberling


Die Vielfalt der Ausgaben nahm in den nächsten Jahren weiter zu. Im Jahr 1990 erschienen die australischen Lunar-Kalender mit inzwischen drei Serien. Im Jahr 2006 kam in den USA der American Buffalo heraus. Mit dieser Vielzahl an Anbietern, Motiven, Metallen und Stückelungen zur Anlage ist aber noch längst nicht alles gesagt. Zugleich verschwimmen nämlich die Grenzen zwischen Anlegern und Sammlern. Letztere lassen sich auch für qualitativ hochwertige Anlagemünzen begeistern. So gibt es Ausgaben in höchster Prägequalität in limitierter Auflage oder spezielle Serien mit wechselnden Motiven. Die kaum noch überschaubare Vielfalt der chinesischen Panda-Ausgaben ist ein Beispiel dafür. Michael Kurt Sonntag, unser Experte für Münzneuheiten, erläuterte vor einiger Zeit in einem Einsteiger-Magazin die Hintergründe. "Dass Barrenmünzen mit Gedenkcharakter und reguläre Gedenkmünzen zu echten Konkurrenzprodukten geworden sind, d.h. zu Münzen, mit denen die Hersteller um die Sammlergunst buhlen, hat nicht nur damit zu tun, dass diese Münzen alle hohe Feingehalte besitzen und zumindest zum Teil auf der Unze fußen, sondern ebenso damit, dass sie thematisch denselben Bereich abdecken und allesamt streng limitierte Auflagen in Stgl. oder PP aufweisen, was sie bei Sammlern sehr begehrt macht." (3) Diese besonders seltenen Barrenmünzen sind teurer als die einfache Massenware. So gibt es heute sowohl Münzen für klassische Anleger als auch solche für Sammler, die zugleich eine Anlage suchen: "Mit anderen Worten, hohe Auflagen für Anleger, die möglichst viel Edelmetall zu möglichst günstigen Preisen haben möchten, und kleine bis Kleinstauflagen für Sammler, die das Exquisitere suchen und dafür bereit sind, auch höhere Gold- und Silberpreise zu bezahlen." (4)


In den letzten beiden Jahren hat der steile Anstieg des Goldpreises allerdings zu stark rückläufigen Verkaufszahlen geführt. Das Vergleichsportal gold.de vermeldete vermeldete im April 2024 eine Absatzflaute bei Goldmünzen. Aktuell ist die günstigste Unze, ein Krügerrand, geringfügig oberhalb von 2.800 Euro ausgewiesen. Viele Kunden fühlen sich von der jüngsten Preisexplosion überfordert. Bei Gold & Co. wurde der Absatzeinbruch schon im April 2024 ausführlich besprochen. Kettner Edelmetalle konstatierte zur gleichen Zeit einen sich ankündigenden Marktwandel. Auch im Verlauf des Jahres 2024 änderte sich an den geringen Absatzzahlen der Prägestätten nicht viel. Der Absatz der Perth Mint verharrte auf niedrigem Niveau, so das Portal Goldseiten. Lediglich mit der Ausgabe des neuen Jahrgangs der Känguru-Münze sei er im November 2024 kurzfristig angestiegen. Insgesamt waren die Umsatzzahlen im Jahresvergleich jedoch um über 40 Prozent zurückgegangen. Am 17. März dieses Jahres meldete der Goldreporter, dass sich der Absatz des American Eagle in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahr fast halbiert hat. Ein Teil der Kundschaft, so ist zu hören, weiche nun auf die weniger preisintensiven Silbermünzen aus.


Dietmar Kreutzer



Quellenangaben:


(1) Bruno Bandulet: Das geheime Wissen der Goldanleger; Rottenburg 2010, S. 11

(2) Ursula Kampmann: Katalog der wichtigsten Anlagemünzen in Gold; in: Gold&Münzen, Regenstauf 2008, S. 110

(3) Faszination Münzensammeln; Regenstauf 2018, S. 13

(4) Ebenda

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