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Bedeutende Kataloge: Ein Taler aus Lübeck (1745)

Die Münzgeschichte von Lübeck entsprach über lange Zeit hinweg der von Hamburg sowie des Wendischen Münzvereins. Seit 1255 prägten die Hansestädte Hamburg und Lübeck gleichartig. Der Wendische Münzverein vereinheitlichte dann das Münzwesen in größerem Maßstab. Mit der Ausprägung von Großsilbermünzen im Jahre 1506 entsprachen 13 Mark lübisch einer feinen kölnischen Mark. Trotzdem der Münzverein im Jahre 1575 an sein Ende kam, haben Hamburg und Lübeck an der Rechnung in Mark und Schilling festgehalten: "Als Hamburg im 17. Jahrhundert die Mark zu 16 Schilling als Kurantgeld wieder aufnahm und neben dem Reichstaler zu 48 Schilling die Nominale zu 32, 16, 8 und 4 Schilling prägte, schloss sich Lübeck an und übernahm 1726 auch den 34-Mark-Fuß. Die letzten Prägungen fanden in Talern 1776, in 32-Schilling-Stücken 1797 statt; die letzten 8- und 16 Schilling-Stücke wurden 1752, die letzten Schillinge 1789 und die letzten Dukaten 1801 geprägt." (1)



Reichstaler (Stadt Lübeck, 1745, 888er Silber, 28,98 Gramm, 41 mm)

Zitate: Behrens 196, Dav. 2419, J. 36

Bildquelle: Künker, Auktion 322, Los 491


Im Mai 2023 fragte ein User in einem deutschen Münzenforum, was ein Lübecker Taler aus dem Jahr 1745 in der Erhaltung sehr schön bis vorzüglich (ss-vz) etwa wert sei. Ein anderer User antwortete ihm postwendend mit einer über mehrere Jahre hinweg reichenden Auktionsliste (2):


Künker Auktion Nr. 184: Zuschlag 1.100 Euro

Künker Auktion Nr. 211: Zuschlag 1.500 Euro

Künker Auktion Nr. 237: Zuschlag 550 Euro

Künker Auktion Nr. 314: Zuschlag 250 Euro

Künker Auktion Nr. 322: Zuschlag 650 Euro

Künker Auktion Nr. 337: Zuschlag 550 Euro.


Die zuerst genannte Auktion fand im März 2011 statt, die zuletzt genannte im Juni 2020. Ob sich daraus ein Trend bezüglich einer nachlassenden Nachfrage nach derartigen Stücken ablesen lässt, kann hier offen bleiben. Einer näheren Betrachtung hinsichtlich der Katalogliteratur sollen jedoch die beigefügten Nachweise unterzogen werden. Einmal ist das German Talers von John Davenport. Als Spezialkatalog für Bremen gilt noch immer Münzen und Medaillen der Stadt und des Bisthums Lübeck.


John Davenport (1907-2001)

Bildquelle: Numismatic Bibliomania Society

German Talers 1700-1800 (Illinois 1979)

Bildquelle: MA-Shops, Kölner Münzkabinett


Davenport war ein US-amerikanischer Professor war Professor für Englische Literatur. Seine im Alter von 14 Jahren einsetzende Sammelleidenschaft machte ihn zudem zum Numismatiker und Buchautor. Die Verzeichnisse großer Silbermünzen von seiner Hand sind bis heute grundlegende Referenzwerke für Talermünzen und sogenannte Crowns geblieben. Sein besonderes Interesse galt den deutschen Talern. Mit European Crowns since 1800 legte er im Jahr 1947 seinen ersten Katalog über Großsilbermünzen vor. Mit Crowns bezeichnete er nicht nur die britischen, sondern alle europäischen Großsilbermünzen, die nicht aus Deutschland kamen. Die österreichischen Taler hat er ebenfalls unter den Crowns gelistet. Zwei Jahre später kam erstmals German Talers since 1800 heraus. Später folgten weitere Kataloge, darunter der abgebildete. Sein Nummernwerk umfasst 10.063 Taler und 8.899 Crowns.


Heinrich Behrens (1828-1913, links) mit seinem Bruder Jakob (um 1845)

Bildquelle: Wikimedia, Stelzner

Münzen und Medaillen der Stadt und des Bisthums Lübeck (Berlin 1905)

Bildquelle: Ebay, Marric712


Der deutsche Kaufmann Heinrich Behrens war wie schon sein Vater in Lübeck tätig. Sein Bruder Jakob wanderte schon im Jahr 1853 in die USA aus. Heinrich Behrens baute seinen Katalog auf dem Vorgängerwerk Lübeckisches Münz- und Medaillenkabinett von Johann Hermann Schnobels aus dem Jahr 1790 auf. Dieses war auf der Basis einer kaufmännischen Sammlung entstanden war, die der Lübecker Bibliothek vernmacht worden war. Heinrich Behrens legte sein Werk Münzen und Medaillen der Stadt und des Bisthums Lübeck im Jahr 1905 vor. Drei Jahre später erschien ein Nachtrag. Aufgrund seiner Bedeutung als Standardwerk über die Lübecker Münzen wurde es auch Jahrzehnte später wieder aufgelegt, zuletzt im Jahr 2008 inklusive des Nachtrags als digitaler Nachdruck.


Auf dem Taler von 1745 kennzeichnen die Initialen JJJ den Münzmeister Johann Justus Jaster. Das Wappen unter dem Doppeladler steht für den Bürgermeister Heinrich Balemann: In seinem Buch Münzen und Medaillen der Stadt und des Bisthums Lübeck (Berlin 1905, Nachdruck Tietjen Hamburg 1972) weist Heinrich Behrens auf eine Besonderheit in der Münzgeschichte der Hansestadt hin, dass nämlich außer den dort befindlichen Münzmeisterzeichen auch das Wappen des jeweiligen Bürgermeisters erscheint, der dem Chef der Münzstätte vorstand. Diese im 16. Jahrhundert eingeführte Kombination sucht in der deutschen Münzgeschichte ihresgleichen, denn es war üblich, dass Münzmeister die unter ihrer Leitung hergestellten Geldstücken mit Buchstaben und/oder Symbolen zeichnen." (3)


Dietmar Kreutzer


Quellenangaben:

(1) Herbert Rittmann: DEutsche Geldgeschichte 1484-1914; München 1975, S. 442

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